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DIE INSEL VON LEMNOS (LIMNOS)Die Landschaft von Lemnos ist ziemlich flach. Niedrige Huegel mit trockenen Bueschen bedeckt und kleine Felder, die heute kaum noch bebaut werden. Steile Kueste und lange Sandstraende. Der Uebergang von der einen Ebene zur anderen erscheint dem menschlichen Auge harmonisch.
Die Hauptstadt der Insel ist Myrina. Myrina war der Name der Frau von Thoantas. Thoantas war der erste
Koenig der Insel. Bis 1950 wurde Myrina Kastro (Festung) genannt. Die
aelteren nennen sie auch Chora.
Entlang der Kueste stehen die Haeuser der Aristokraten von Lemnos, die alle in der zweiten Haelfte des vorigen Jahrhunderts gebaut sind. Die gehoeren den Abkoemmlingen der jenigen Einwohner, die nach der misslungenen Belagerung von Orlof, die Insel verlassen haben, weil sie Angst vor den Tuerken hatten. Sie sind nach Aegypten gegangen und sind dort reich geworden. Sie besassen unter anderem ueber 300 Handelsschiffe. Sie schoepften auch weiter aus dem fruchtbaren Land auf der Insel. Die Residenzen sind das Ergebnis des Geldtransfers aus Aegypten.
Im Archaeologischen Museum, einem neulich renovierten Gebaeude in Romeikos Gialos, stehen
Altertuemer, welche die Griechischen und Italienischen Archaeologen nachgegraben haben, sowie
Altertuemer aus der benachbarten Insel Imvros.
Am Romeikos Gialos steht ebenfalls die Residenz des Erzbischofts. Ein sehr eindrucksvolles Gebaeude, dass einst dem Griechen Antonis Antoniades gehoerte und in Aegypten lebte. Im Jahre 1911 hat er das Gebaeude dem Erzbischof von Lemnos angeboten. Heute befindet sich hier das einzige kirchliche Museum der Insel, in Myrina und anderen Doerfern, ausgestattet mit vielen Ikonen und Zimelien aus Kirchen. Ein grosser Tag fuer Lemnos war der 8te Oktober 1912, Tag ihrer Befreiung von den Tuerken. Am Romeikos Gialos kam das Panzerschiff “Averof“ an. Kapitaen war Pavlos Kountouriotis. Die Einwohner beschuetteten die Soldaten mit Blumen, der Erzbischof hielt einen Dankgottesdienst und die griechische Flagge wurde in die Hoehe gehoben. Die Insel war frei. Aphrodite, Goettin der Liebe und der Schoenheit, hatte gegen den Willen, den
haesslichen und lahmen Hephastus geheiratet. Aber sehr schnell hat sie einen Liebhaber gefunden und zwar Aris, Gott des Krieges. Die Frauen der Insel haben dieses
Liebesverhaeltnis an Hephastus verraten. Aphrodite strafte die Frauen. Ihre Strafe war, dass ihre
Koerper schlecht riechen. Ihre Maenner wollten ihre Frauen nicht und fanden Konkubinaten aus Thrazien. Die Frauen
fuehlten sich sehr beleidigt. Sie machten ihre Maenner betrunken und
stuerzten sie von Kap Petassos. Petassos bedeutet der Platz, an dem etwas weggeworfen wird.
Spaeter wurde ein Dorf dort gegruendet. Es wurde, zur Erinnerung an dieser Untat, Antrofonion (Mord der
Maenner) genannt, das heutige Antroni.
An der anderen Seite der Stadt, hinter dem Hafen, befindet sich der sogenannte “Tuerkische Gialos“
(Tuerkische Kueste). In frueheren Zeiten standen hier die niedrigen
Haeuser der armen Tuerken und ihr Friedhof. Hier haben sich spaeter
Fluechtlinge von der Gegend Madytos in Propontis eingerichtet und diese Nachbarschaft wurde Nea Madytos genannt. Im Markt steht eine kleine Kirche, die im Jahre 1988 gebaut wurde. Am 9ten September 1939 geriet das Kino, eine alte holzerne Moschee, in Brand. 63 Menschen starben. Zu ihrem Andenken wurde diese kleine Kirche gebaut. Die Kathedrale der Stadt heisst Agia Triada und wurde im Jahre 1724 gebaut. Die Tuerken haben sie im Jahre 1770 niedergestuerzt. Sie haben den orthodoxen Bischof Ioakim auf der Holzbruecke, die damals vor der Kirche stand, aufgehaengt und weitere 300 Vorsteher niedergemetzelt. Im Jahre 1835 wurde die Kirche neu gebaut. Ihr Altargelander ist ein sehr schoenes Schnitzwerk.
Alle Straende von Myrina sind sauber. Beide, Tourkikos und Romeikos Gialos, wie auch Richa Nera, sind mit blauen Flaggen gekennzeichnet. Der beste Strand der Insel ist am Dorf Thanos, wegen des klaren Wassers. Das Dorf bekam den Namen seines
Gruenders, der aus Arkadien stammte. Die ruinenhafte Kirche von St. Konstantinopel. Am Eingang des Dorfes stehen zwei eindrucksvolle
Waschhaeuser mit den Namen Faraga und Megalakkos. Kontias ist heute ein kleines Dorf. Man sagt, das hier einst zwei Landesbesitzer aus Peloponnes lebten. Der eine
hiess Kondeas und der andere Chandreas. Das Dorf wurde Kontias, nach Kondeas, und der Fluss Chandrias, nach Chandreas, genannt. Kontias ist ein sehr
schoenes Dorf mit Steinhaeusern, welche einst zu reichen Kapitaenen
gehoerten. Am Ausgang von Kontias, unterwegs nach Tsimandria, sieht man eine Allee von Eukalypten und Planeten.
In Portianou lagerte die Armee der Allianz im Jahre 1915. Hier hatte Winston Churchill sein Hauptquartier eingerichtet,
um die Operation der Allianz in Kallipolis zu leiten. Das Haus, wo er damals lebte, wurde neulich renoviert. Man findet dort, heute noch, den Armstuhl in dem er an seinen Schreibtisch
sass. Ausserhalb des Dorfes sind die Toten der Operation in Kallipolis begraben. Seit einigen Jahren befindet sich hier das einzige volkskundliche Museum der Insel. Nea Koutali ist ein Fluechtlingsdorf. Es wurde 1926 gegruendet, als sich 351 Einwohner der Insel Koutali in Propontis einrichteten. Sie waren Schwammfischer in ihrer Heimat und das haben sie auch hier gemacht. Ihr Landsmann, Panagis Koutalianos, ist am Ende des vorigen Jahrhunderts als
Ringkaempfer beruehmt geworden.
Kaspakas ist eines der aeltesten Doerfer der Insel. Es wurde Ende des 11ten oder Anfang des 12ten Jh. von Kaspakas, Admiral der byzantinischen Flotte
gegruendet. Man sagt, das Alexios Mourtzouflos, Kaiser von Byzanz zur Zeit der Kreuzfahrten, verjagt von Venezianern und Franken, hierher geflohen ist. Die
Straende des Dorfes, Ai Giannis und Karvounolakkos sind sehr bekannt. Unterwegs von Kaspakas nach Kornos findet man die kleine Kirche des
Agios Georgios. Die ganze Umgebung war einst Klosterbesitzung. Das Dorf Sardes, eines der aeltesten auf der Insel, ist gebirgig und ziemlich abgeschieden. Seine
Steinhaeuser sind kennzeichnend der Architektur von Lemnos. Sie haben einen kleinen Hof mit einer Steinmauer ringsum, zwei
Stockwerke und ausserhalb des Hauses eine Steintreppe, die zum ersten Stock
fuehrt. Das naechste Dorf heisst Katalakkos und ist an einer steilen Bergseite gebaut. Im 13ten Jh. wurde es Karapotamos genannt. Hier wurde im Jahre 1856 die Kirche des Agios Modestos gebaut. Er ist der Schutzheilige der Viehzuechter. An seinem Festtag, am 18ten Dezember kamen alle Viehzuechter von Lemnos zu dieser Kirche. Die Viehzuechter wurden “Kechagiades“ genannt. Sie trugen Pumphosen und Muetzen und tanzten die lokalen Taenze, “Kechagiadiko“ und “Patma“ genannt. Der Strand von Gomati ist einer der grossten der Insel. In der Gegend gab es schon vom 14ten Jh. viele, kleine Siedlungen und zwei Klosterbesitzungen. Bis 1928 lebte hier noch ein
Moench. Es lebte einst auf der Insel ein Koenig, der zwei Soehne hatte. Eines Tages beschloss er die Insel zu teilen. Jeder Sohn
wuerde einen Teil bekommen. Er wollte aber gerecht teilen. Und so machte er folgenden Vorschlag: Seine
Soehne wurden, bei Tagesanbruch, von den zwei entgegengesetzten Seiten der Insel, Plaka und Myrina, zu wandern beginnen. Dort wo sie sich treffen,
wuerde er die Insel teilen. Sie trafen sich dort wo sich heute die Gegend
Agios Dimitrios befindet. Der jenige aber, der von Plaka das Wandern begonnen hat, hat nicht auf den Tagesanbruch gewartet, sondern ist
frueher losgegangen. Sein Bruder nannte ihn Lera (Schuft) und seitdem
heisst auch das Dorf Lera. Hier lebten bevor der Befreiung der Insel nur
Tuerken. Nach der Befreiung der Insel und der Austauschung der Populationen, kamen hierher 556
Fluechtlinge aus Reis Dere, in Tsesme, Kleinasien. Sie nannten ihr Dorf Agios Dimitrios.
Das Dorf Livadochori wird in einer goldenen Bulle von 1355 erwaehnt. Weil es in der Mitte eines grossen Flachlandes steht, hat es sich sehr schnell entwickelt. In der Naehe befindet sich das Kloster des Agios Pavlos. Der Sitz des Erzbischofs von Lemnos war temporaer, zwischen 1390-1447, hier versetzt worden. Dem Kloster gehoerte eine Feldflaeche von 30.000 Ar, die fruchtbarsten Felder der Insel. Konstantinos Paleologos hat das Kloster den Einwohnern ueberlassen. Das Einkommen des Klosters war gross und die Einwohner konnten es fuer kirchliche Zwecke und Ausbildungszwecke gebrauchen. Karpasi ist ein ziemlich neues Dorf. Im Jahre 1901 wurde hier die Kirche von
Agios Pachomios gebaut. Das Dorf Varos ist auf einen niedrigen Huegel gebaut, wo man noch die Ruinen von Windmuehlen sehen kann. Man sagt, das einst das Dorf an Pest leidete. Eine Frau sah, in ihrem Traum, einen Mann, der zu ihr sagte, sie sollte das Dorf mit einem Faden umkreisen. So wuerde sie das Dorf von der Pest retten. Die Frau fragte, wer er war. Er gab keine Antwort. Es sagte nur, dass er am naechsten Tag, hinter der Kirchentuer, auf sie warten wurde. Die Frau ging am naechsten Tag zur Kirche und fand, hinter der Tuer, das Bild des Agios Charalambos. Seitdem, am Festtag des Heiligen, umkreisen die Maedchen das Dorf mit einem Faden. Eines der aeltesten und reichsten Doerfer ist Repanidi. Es wird schon im Jahre 1285 erwaehnt. Im Flachland, dort wo einst ein Wald war, stehen heute nur einige Eichelbaeume. Die Eicheln waren eine handelsfaehige Ware und die Einwohner verfuegten einst Segelschiffe fuer ihren Transport. Um 1840 wurde die aelteste Kirche des Dorfes gebaut. Hier funktionierte eine der ersten Schulen der Insel. Im Jahre 1824 wurde eine Windmuehle als Schule benutzt, danach bis 1875 eine Toepferwerkstatt. Im Jahre 1875 wurde schliesslich eine Schule gebaut und zwar am Eingang des Dorfes. Am Eingang des Dorfes kann man die beruehmten Kruege sehen. Diese sind grosse Toepfer in vulkanischer Erde gegraben. Sie gehoeren zu bestimmten Familien, die sie zur Lagerung von Wein und Getreide benutzen.
Im Dorf Agios Ypatios lebten einst Tuerken und Griechen zusammen, aber heute ist es unbewohnt. Hier stand die
grosse Moschee der Insel. Vor 1858 wurde die Kirche des
Agios Athanassios gebaut. Sie ist wegen ihres Altargelaenders bekannt, ein Prachtexemplar der Malerkunst von Lemnos.
Oestlich von Kalliopi befindet sich die Bucht von Keros. Entlang des Strandes gibt es
Sandhuegel und das Wasser ist nicht tief. Zwischen dem Dorf und der Bucht befindet sich ein kleiner See, Chortarolimni genannt. Im Winter sammelt sich hier das Regenwasser und
Schwaerme von Voegeln nehmen hier Zuflucht. Plaka ist ebenfalls ein neues Dorf, im 19ten Jh. gegruendet. Nordoestlich des Dorfes befindet sich die Halbinsel des Ai Giannis. Hier war einst das Dorf Vriokastro oder Paleokastro. In den Riff von Mythones ist eine antike Stadt versunken. Man kann die Ruinen der Haeuser und die mit Platten belegte Strassen sehr klar sehen. Pavsanias sagt, dass dies die homerische Stadt Chrisi ist. Dort, heisst es, hat eine Schlange Philoktetes, Held des trojanischen Krieges, gebissen. Der Held wurde mit dem wundertaetigen Schlamm, von der Gegend Roussounia, geheilt. Dieser Schlamm war sehr gut gegen Huftschmerzen und Rheumatismus. Die christliche Ueberlieferung besagt, dass die Wurzel des Baumes, neben der Kirche des Agios Charalambos, vom Meer kam und dass die das Bild des Heiligen trug. Obwohl die Wurzel vom Meer bespult wird, verfault sie nicht. Von dieser Wurzel quellt Weihwasser. Von der Bucht von Moudros kann man das Dorf Lichni sehen, welches im 18ten Jh.
gegruendet wurde.
Das Dorf Moudros ist heute noch das Handelszentrum der oestlichen Lemnos. Im Jahre 1355 war Moudros eine kleine Siedlung und im Jahr 1380 gehoerte es dem Kloster von Vatopedio. Im 18ten Jh. gab es zwei Burgen. Heute stehen dort zwei Kirchen, die eine, der Taxiarchen, im Jahre 1370 gebaut und die andere, der Evangelistria, im Jahre 1904 gebaut. Moudros spielt eine grosse Rolle wegen seines Hafens. Dieser ist einer der besten Naturhafen im Mittelmeer. Der Hafen von Moudros ist von noerdlichen Winden beschuetzt und schiffbar von grossen Panzerschiffen. Deswegen ist Moudros von grosser strategischer Bedeutung. Waehrend der balkanischen Kriege war Moudros Flottenstuetzpunkt. Zwischen 1914-1916 war er Flottenstuetzpunkt der Allianz fuer die Operationen von Kallipolis und Dardanellia. Damals ankerten in der Bucht bis zu 500 Schiffe und in der Gegend lagerten bis zu 30.000 Soldaten. Ausserhalb von Moudros befindet sich der Friedhof der Verbundeten. Hier sind die Toten des ersten Weltkrieges begraben. Das Dorf Kaminia existiert seit 1346. Die Gegend ist bekannt wegen ihrer Antiqualitaeten: Die praehistorische Siedlung von Poliochni, die im Fels gehauten Graeber und natuerlich die beruehmte Saeule von Kaminia. Diese ist eine Platte aus Tuffstein. Man hat sie in der kleinen Kirche des Agios Alexandros gefunden. Diese Steinplatte hat Konflikte zwischen den Archaeologen, Linguisten und Philologen gebracht. Sie schildert einen Krieger der einen Spiess haelt. Sie hat zwei Inschriften, im griechischen Alphabet geschrieben, welche aber eine bis heute unbekannte Sprache ergeben. Das Dorf produziert einen einzigartigen Anissamen, der notwendig zur Destillation des Ouzo ist.
Ein sehr entferntes und sehr altes Dorf ist Agia Sofia. Es wird schon im Jahre 1303
erwaehnt. In der Gegend stehen Ruinen von Windmuehlen. Die Kirche des Dorfes wurde im Jahre 1912 gebaut, ist aber vom Erdbeben im Jahre 1968
zerstoert worden. Der Ueberlieferung zufolge erschien die Heilige Sophia
oefters, im weissen Gewand um Erfreuliches anzukuendigen, oder im Schwarzen um
Boeses anzusagen.
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