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GESCHICHTE UND KULTUR

Lemnos hat eine grosse Rolle in der Entwicklung der praehistorischen Kultur im nordoestlichen Aegaeischen Meer gespielt. Viele Stellen erhalten noch ihre praehellenische Namen. Die einzige Stelle, die systematisch erforscht wurde, liegt in der Naehe von Kaminia und die Italienischen Nachgraber haben sie Poliochni genannt. Nachdem die Nachgraber die Keramik der Stelle studiert haben, erkannten sie sieben aufeinanderfolgende Phasen der Bewohnung der Stelle.
Poliochni wurde Ende des 4ten und Anfang des 3ten Jahrtausends a.Chr. zum ersten mal bewohnt, ungefaehr 100 oder 200 Jahre bevor der Gruendung von Troja. Am Anfang war sie sehr klein, aber sehr schnell hat sie sich zu einer grossen befestigten Stadt entwickelt, die erste Stadt Europas.

Das Museum von Poliochni.

Der Charakter der Siedlung war stadtisch, wie die Mauer und die oeffentlichen Plaetze bestaetigen. Die Mauer umfasst die Stadt dort wo der Schutz der Natur fehlt. Entlang der Mauer standen Tuerme. Nach jedem Bergsturz, Erdbeben oder feindlichen Angriff wurde die Mauer repariert und mit Vormauern gestutzt. Laengst der Mauer bildeten sich breite Plaetze, wo die Einwohner ihre taegliche Taetigkeiten vollbrachten: Sie spannten Leder und legten die Fruechte zum trocknen. Die Mauer spielte noch eine grosse Rolle im Leben der praehistorischen Menschen. Sie bestimmte den Raum. Endlose Flaechen waren fuer diese Menschen unbegreiflich.
Zwei Eingaenge im Sueden und Suedwesten erlaubten die Uebersicht der Stadt. Der Eingang im Westen fuehrte zu zwei Staatsgebaeuden, den Getreidespeicher und das Parlament. Das Parlament war ein sehr eindrucksvolles Gebaeude mit zwei Reihen von Sitzen, wo sich die Gemeinde versammelte. Zwei, zentrale, mit Platten belegte Strassen verbindeten das Innere der Siedlung. Die erste Strasse begann am westlichen Eingang und die zweite am noerdlichen Teil der Siedlung. An ihrem Schnittpunkt bildete sich der Zentralplatz mit dem Brunnen. Man kann noch einen Platz am Anfang der anderen Strasse finden. Diese Plaetze waren das Zentrum des wirtschaftlichen und sozialen Lebens der Siedlung, genau so wie es heute noch in den Doerfern ist.
Die Hauser wurden in Gruppen gebaut und hatten ein Eintrittszimmer und ein zweites grosses Zimmer, wo die Heimstaette war.

Poliochni wurde Ende des 4ten und Anfang des 3ten Jahrtausends a.Chr. zum ersten mal bewohnt, ungefaehr 100 oder 200 Jahre bevor der Gruendung von Troja.

In Poliochni wurde ein ausgezeichneter Schatz nachgegraben, der chronologisch zur letzten Entwicklungsstufe der Siedlung gehoert. Der Schatz besteht aus Ringen, Ohrringen, Armbaendern, Schmuckspangen, Halsbaendern, alles aus Gold. Einige Stuecke sind vollstaendig, einige sind zerbrochen. Alle sehen den Stuecken des Schatzes Priamus aehnlich, welcher in der gegenueberliegenden Troja nachgegraben wurde.

Lemnos ist mit Hephastus, Gott des Feuers, verbunden. Hephastus fiel von Olympus und landete auf Lemnos. Die Sintien, mythische Einwohner der Insel, haben seine Wunden gepflegt und seitdem wurde Lemnos seine geliebte Insel. Er hat seinen Palast und seine Werkstatt am Fuss des Berges Mosichlon gebaut. Mosichlon war einst ein aktiver Vulkan im Zentrum der Insel, jetzt ist er ausgebrannt. Um Hephastus zu ehren, nannten die Einwohner, die Hauptstadt der Inseln Hephaestia und veranstalteten die Kavierischen Mysterien. Hephaestia war damals die wichtigste Stadt der Insel und ist heute voellig nachgegraben. Sie war schon vor der Epoche des Kupfers bewohnt. Menschen lebten hier bis zu den byzantischen Jahren.

Das wichtigste architektonische Monument in der Stadt ist das Heiligtum der Grossen Goettin, dass vom 8ten bis zum 6ten Jh. a. Chr. benutzt wurde. Archaeologen aus Italien haben kleine Statuen der Grossen Goettin im Altar des Heiligtums gefunden. In den hellenistischen Jahren wurde das Theater gegruendet. Die Stadt war in ihrem Hoehepunkt im 5ten und 4ten Jh. a. Chr.
Ab 510 a. Chr. war sie unter der Herrschaft Athens. Damals wurde ihre gewaltige Mauer gebaut.

Der Latiner Kornelius Nepotas erzaehlt wie Athen die Insel erobert hat. Nepotas erzaehlt ueber Miltiades, Gruender von Hersonissos: "Als Miltiades, auf seinem Weg nach Hersonissos, an Lemnos ankam, wollte er die Insel unter der Herrschaft Athens setzen und verlangte von den Einwohnern die freiwillige Ueberlieferung der Stadt. Sie antworteten: "Wenn es Miltiades gelingt von seiner Heimat nach Lemnos zu kommen, weil der Wind Aquillos weht, dann werden wir die Stadt ueberliefern." Dieser Wind weht von Norden, so wuerde es fuer Miltiades fast unmoeglich sein, von Athen nach Lemnos zu kommen. Miltiades hatte keine Zeit nach Athen zurueck zu fahren und setzte seine Reise fort nach Hersonissos. Nachdem er dort alle seine Sachen in Ordnung brachte, kehrte er nach Lemnos zurueck und verlangte, vereinbarungsgemaess, die Ueberlieferung der Stadt. Denn er stamm zwar aus Athen her, aber seine neue Heimat war jetzt Hersonissos. Die Karen, damalige Einwohner der Insel, waren ratlos. Schliesslich stimmten sie zu und ueberlieferten die Stadt ohne Wiederstand."

In Hephastia wurde, Ende des 3ten oder Anfang des 4ten Jh. p. Chr., die erste christliche Gemeinde gegruendet.

In Hephastia wurde, Ende des 3ten oder Anfang des 4ten Jh. p. Chr., die erste christliche Gemeinde gegruendet. Bis zum 11ten Jh. war sie das wirtschaftliche Zentrum der Insel. Zu dieser Zeit wurde ihr Hafen angeschuettet und deswegen haben sie die Haendler aus Venedig verlassen und sind zum naheliegenden Kotzino gegangen. Im 14ten Jh. war sie nichts mehr als ein kleines, unbekanntes Dorf.

Teil der Kult des Gottes Hephastus waren die Kavierischen Mysterien. Die Kavieren waren Helfer des Gottes und hiessen: Axieros, Axiokersos und Axiokersa.
Das Heiligtum der Kavieren stand am Kap Chloe und war sehr bekannt. Viele rituelle Feiern fanden hier statt. Die Kueste ist hier sehr steil, so das niemand ins Heiligtum kommen konnte. Nur die Vertrauten hatten das Recht an diesen sakramentalen Feiern Teil zu nehmen. Von der Seite des Landes wurde eine hohe Mauer gebaut und so war das Heiligtum von allen Seiten unzugaenglich. Auf zwei Terrassen wurden Saale fuer die Feiern und Altare fuer die Geschenke der Glaeubigen gebaut. Die Kavierischen Mysterien dauerten 9 Tage. Fuer 9 Tage loeschten die Einwohner alle Feuer der Insel und schickten ein Schiff nach Delos, Insel des Apollo, Gott des Lichtes. Das Schiff brachte das neue, heilige Licht zurueck zur Insel. Waehrend diesen 9 Tagen war das Leben auf der Insel anders als das ganze Jahr ueber.
Die Einwohner brachten den Goettern keine Opfer, Brot wurde nicht gebacken, Essen wurde nicht gekocht und die Familien sammelten sich nicht in den Haeusern. Das Ankommen des Schiffes mit dem heiligen Licht symbolisierte das neue Leben und war ein Festtag. Die Priester empfingen das Schiff an der Kueste unter dem Berg Kavierio. Sie sangen Psalmen und danach gaben sie das Licht zu den Einwohnern und natuerlich zu den Arbeitern der Hullenwerke.

Byzanz herrschte fur 1100 Jahre und Lemnos erlebte alle wirtschaftliche und politische Wechsel. Wegen der sehr guten Stelle der Insel zwischen Osten und Westen, haben sich Haendler aus Venedig und Genoa hier eingerichtet, ohne die Einwohner weder kulturell noch religioes zu beeinflussen.
Lemnos war eine reiche und sichere Insel. Deshalb haben Kloster von Agio Oros (Athos) und Patmos Maroula grosses Interesse fuer die Insel gezeigt. Kurz bevor 1204, besass das Kloster der Agia Lavra das 1/3 der Insel. Die meisten byzantinische Ortsnamen werden bis heute noch gebraucht. Die byzantinischen Nachnamen werden jetzt als Vornamen gebraucht, z.B. Doukas, Paleologos, Komninos, Laskaris, Laskarina etc. 

Die Insel wurde im Jahre 1479 von den Tuerken erobert.
In der Bucht von Bournia, dort wo heute nur ein paar Fischerhuetten und eine Kirche stehen, war einst eine maechtige byzantinische Stadt, Kotzinos genannt. Ihr Name war einst Kokkinos (Rot) offenbar, weil die Erde dort rot ist. Man sagte, das diese Erde heilende Eigenschaften hatte. Sie heilte Dysenterien, Blutungen und Wunden von Schlangenbissen. Diese Erde wurde "Lemnia Erde" von den Europaern genannt. Die Einwohner nannten sie "Agiohoma" (heilige Erde) und ihren Alleinvertrieb hatte der jeweilige Landesherr der Insel. Sie war ein Luxusartikel, eine gaengige Ware in Sueden und Westen. Sie war so wohl berufen, das Galinos, beruehmter Arzt in den hellenistischen Jahren, zweimal zur Insel kam um die Zeremonien der Ausgrabung zu sehen. Diese Zeremonien sind in den Jahren gleich geblieben und alle Eroberer der Insel, weder katholisch noch moslemisch, respektierten sie. Im Altertum fand die Ausgrabung Anfang Mai statt, wenn das Fest zur Ehre der Goettin Artemis gefeiert wurde. In den christlichen Jahren fand die Ausgrabung am 6ten August statt. Die christliche Version der Sage ueber die heilenden Eigenschaften der "Lemnia Erde" wurde von einem Tuerkischen Pirat, Piri Reis genannt, bewahrt: "Es lebte einst, in der Zeit Jesus, ein Mann mit den Namen Ferestin. Er lebte hier, auf Lemnos, Tag und Nacht weinte er, weil er seinen Herrn Jesus verloren hatte. Eines Tages, es war der 7te August, trieb er sich auf der Insel umher und kam an diesen Ort an. Hier hat er uebermassig geweint und gejammert. Seine Traenen fielen auf die Erde und mit Hilfe Gottes, wurde diese Erde heilig."

In Kotzinos hatte sich, von Anfang des 11ten bis Ende des 12ten Jh., eine venezianische Kolonie eingerichtet. Im Jahre 1136 verlangte sie vom Erzbischof von Lemnos, Michael, eine Kirche, denn sie wollten die Messe gemaess dem katholischen Dogma lesen. Diese muss, vermutlich, die kleine, renovierte Kirche vom Hg. Vlassis, in der Naehe von Hephastia, gewesen sein.
Zwischen 1207-1214 hat die venezianische Familie Navigajiosi die Festung gebaut. Und zwar ist sie die einzige so grosse Festung in Griechenland, welche nicht auf einer naturellen Schwellung, sondern auf einem kuenstlichen Huegel gebaut ist. Nach 1440 herrscht in Kotzinos die maechtige Familie der Gattelusi aus Genoa. Im Jahre 1442 wurde Kotzinos von den Tuerken belagert. Verantwortlich fuer die Verteidigung der Stadt war Konstantinos Paleologos XI., welcher spaeter Kaiser von Byzanz geworden ist. Er war der letzte und tragische Kaiser von Byzanz.
Seine Frau, Katerina Gattilusia, war schwanger und konnte den Mangel und die Strapazen der Belagerung nicht aushalten. Sie starb und wurde hier, in der Festung ihrer Familie, begraben. Im Jahre 1478 wird Kotzinos wieder von den Tuerken belagert. Diesmal wurde die Festung von Maroula, Tochter des getoeteten Griechischen Kommandanten der Insel, verteidigt. Venedig war sehr generoes zu Maroula. Sie gaben ihr das Recht, sich einen Venezianischen Ritter auszusuchen und ihn zu heiraten. Die Stadt von Venedig wuerde sie ausstatten. Dieses Dokument kann man heute noch in den Militarakten von Venedig finden.

Die Kirche der Zoodochos Pigi, in der Festung, wurde in den letzten Jahren renoviert. Sie wurde im 15ten Jh. gebaut. Vom aeusseren Narthex beginnen Stufen, uralt und halbzerstoert, welche zu einer unterirdischen Kammer fuehren. Dort gibt es eine Weihwasserquelle. Es gibt ein sehr schoenes Maerchen ueber dieses Weihwasser: "Es lebte einst eine Koenigin. Von ihren Feinden verfolgt, kam sie zu dieser Kirche um sich zu verstecken. Ihre Feinde aber haben sie gefunden und getoetet. Sie hat sich versteinert und so erstanden die Stufen. Man sagt noch, das sie jeden, der die Stufen zaehlt, verwirrt. Deswegen werden die Stufen jedesmal anders gezaehlt. Manchmal sind es 84, manchmal 64 oder 57 oder 51.

Die Festung von Myrina.

Die Festung von Myrina wurde nach dem 13ten Jh. Palekastro genannt. Sie wurde im Jahre 1186 vom byzantinischen Kaiser Andronikos Komninos gebaut. Seine Baumeister kamen aus Venedig und darum wird sie auch als "venezianische" bezeichnet. Sie ist ueber den Ruinen einer aelteren Mauer gebaut worden. Die aelteren Mauerteile kann man direkt gegenueber dem zentralen Eingang sehen. Die Mauer die man heute noch sehen kann, wurde in der Zeit der tuerkischen Herrschaft gebaut. Man kommt zur Festung von zwei Eingaengen. Der erste, an der Seite des Hafens, war der zentrale Eingang. Von hier fuehrt ein Steinpflaster bis zu einem Platz, am hoechsten Teil der Festung, wo man die Ruinen einer grossen Moschee sehen kann. Den zweiten Eingang, an der Seite des Strandes Mavrochani, kann man von einiger Entfernung kaum sehen. Die noerdliche Seite der Festung war eine dreifache Mauer mit Schiesscharten und Tuermen. Die Festung von Myrina spielte eine grosse Rolle in der Verteidigung der Insel und in der Aufsicht des noerdlichen Teiles des Aegaeischen Meeres. Deswegen wurde sie Viermals renoviert: Zwischen 1207-1214 vom Grossherzog Filocalo Navigajiosi, im Jahre 1361 vom Kommandanten Georgios Sinodinos Astras, zwischen 1470 und 1477 von Francesco Pasqualingo.
Zum letzten Mal wurde die Festung im Jahre 1770 benutzt, als russische Truppen unter dem Kommando von A. Orlof die Insel belagert haben. Sie wollten die Insel von den Tuerken befreien. Es ist ihnen aber nicht gelungen die Insel zu erobern.

Heute Leben in der Festung, frei, ungefaehr 200 Hirsche. Die Gemeinde von Myrina sorgt fuer ihr Essen und Wasser. 
Die tuerkische Herrschaft in Lemnos war nicht so grausam wie in anderen Teilen Griechenlands. Aber es gab auch Ausnahmen, z.B. nach der Belagerung der Insel von Orlof wollten die Tuerken Rache an den Griechen nehmen. An einen einzigen Tag haben sie 300 Gemeindevorsteher ermordet und den Erzbischof Ioakim aufgehaengt. Wenige Tuerken lebten auf der Insel, die meisten in den Doerfern Hg. Ypatius und Lera und standen in guter Beziehung zu den Griechen.
Die Insel wurde ziemlich spaet befreit, erst im Jahre 1912.

 

 
  
 

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